Lutherische Kirche in Polen

Die lutherische Kirche in Polen steht in einer jahrhundertealten Tradition. Schon einige Jahre nach dem Auftreten Dr. Martin Luthers im Jahr 1517 erreichten seine Ansichten Polen. Sie finden Anklang bei vielen und trotz des Widerstandes u.a. vonseiten der königlichen Machthaber entstehen nach und nach evangelische Gemeinden in Großpolen, Pommern, den Masuren und Schlesien. Gottesdienste werden in der Landessprache gefeiert, es wird auch religiöse Literatur in polnischer Sprache verfasst: Übersetzungen der Heiligen Schrift, Gesangbücher, Postillen – Predigtsammlungen, Katechsmen. Die lutherische Reformation breitet sich im Bürgertum und unter den Bauern im Westen Polens und in der Bevölkerung außerhalb der Republik aus.

Bis zur Zeit der Teilungen Polens bestanden nur wenige Gemeinden fort, später wurden unter russischer und preußischer Herrschaft lutherische Gemeinden durch Kolonisten gegründet, die auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen für ihre Familien waren. Ihre Nachkommen polonisierten sich schnell und nahmen aktiv am politischen und kulturellen Leben des Landes teil.

Heute vereint unsere Kirche Gemeinden mit sehr unterschiedlicher Geschichte – oft sind sie klein, haben aber eine reiche Vergangenheit – und verschiedenen Formen religiösen Lebens. Gemeinsam ist ihnen allen der deutliche Einfluss der Heiligen Schrift auf das Leben der Gemeinschaft und ihrer einzelnen Mitglieder. In der Vergangenheit ermöglichte dies, die Zeit der Gegenreformation in Schlesien im 17. und 18. Jahrhundert zu überdauern, als die Evangelischen keine Kirchen, Schulen und Pfarrer haben durften. Das Lesen der Bibel zu Hause und geheime Gottesdienste ermöglichten es, den Glauben zu bewahren und durchzuhalten, bis bessere Zeiten kamen.

Schwierige Erfahrungen brachte den Polen evangelischen Glaubens der Zweite Weltkrieg, Inhaftierung und Tod vieler Pfarrer und Weltlicher in Konzentrationslagern, u.a. den Bischof der Kirche Juliusz Bursze. Nach 1945 erwachte die Kirche in neuen Bedingungen wieder zum Leben, Gemeinden, die vorher zu unterschiedlichen Kirchenstrukturen gehörten, werden vereint und das Leben einzelner, verstreut lebender Schwestern und Brüder im Glauben mitorganisiert. Außerhalb Teschener Schlesiens leben die Evangelischen in der Diaspora. Überall und immer möchte die Kirche, in Erinnerung an die Erfahrungen vergangener Jahrhunderte, die Aufforderung weitergeben, die uns durch Gnade mögliche Erlösung anzunehmen, die uns durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt wird.

(Autor: Maciej Oczkowski)

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